Kommentar zum Verbot der Eisbahn in Bonn Ins Absurde abgedriftet

Meinung | Bonn · Ein Zelt verbieten, weil für ein paar Monate die Blickbeziehungen zwischen Schloss, Hofgarten und dem Rhein nicht so sind wie anno dazumal - das ist doch absurd, findet GA-Redakteur Andreas Baumann.

 Emil tobt sich auf der Bonner Eisbahn aus.

Emil tobt sich auf der Bonner Eisbahn aus.

Foto: Benjamin Westhoff

Denkmalschutz kann anstrengend sein. Und auch teuer. Noch hat die Stadtverwaltung zwar die Frage nach Zusatzkosten nicht beantwortet, die der Denkmalschutz bei der Sanierung der Beethovenhalle verursacht – obwohl die CDU-Ratsfraktion schon vor Monaten eine Anfrage dazu stellte. Klar ist aber: Es geht um eine Millionen-Summe. Allein die Tatsache, dass beim Ausbau des früheren Studios zum Proberaum für das Beethoven Orchester die alten Mauern integriert und statisch ertüchtigt werden mussten, dürfte ordentlich ins Geld gegangen sein. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Krisen-Baustelle.

Trotzdem ist Denkmalschutz auch ein Segen. Architektur, Plätze und Grünanlagen prägen das Lebensgefühl der Menschen und den Blick auf die eigene Heimatgeschichte. Was passiert, wenn historische Gebäude durch seelenlose Nullachtfünfzehn-Architektur ersetzt werden, kann man sich gut an der Bad Godesberger Innenstadt und – ganz aktuell – rund um den Bonner Hauptbahnhof anschauen. Ohne pathetisch klingen zu wollen: Die Denkmalschützer stehen dafür, die historische Seele Bonns zu bewahren.

Allerdings dürfen sie der Stadt keine Käseglocke überstülpen, die Entwicklung erstickt. Und vor allem darf Denkmalschutz nicht ins Absurde abdriften. Genau das tut die städtische Behörde im Fall der Eislaufbahn am Alten Zoll. Ein Zelt verbieten zu wollen, weil für drei Monate die Blickbeziehungen zwischen Schloss, Hofgarten und dem Rhein nicht so sind wie zu kurfürstlichen Zeiten – das muss man als Nicht-Fachmann wohl nicht verstehen. Diese Vorgabe ist genauso realitätsfern wie es vor Jahren die Diskussion war, die einige Denkmal-Puristen um den neuen Anstrich des Alten Rathauses führten. Denen waren die Farben zu blass. Den Bonnern war es egal.

In der Eisbahn-Posse liegen gleich zwei Risiken: Es könnte sein, dass Bonn dieses Freizeitangebot verliert, weil es für den Betreiber nicht mehr lukrativ genug ist. Und derart unsinnige Vorgaben schaden der Akzeptanz von Denkmalschutz bei den Bürgern.

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