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Siegburger Unternehmen zieht Antrag zurück: Keine Bebauung auf dem Seidenberg

Siegburger Unternehmen zieht Antrag zurück : Keine Bebauung auf dem Seidenberg

Die Firma Holz Bauer wollte sich auf dem Seidenberg vergrößern. Dafür hätte der Wald auf dem Gelände weichen müssen. Nach Widerstand unter den Anwohnern – hat das Unternehmen nun reagiert.

Der Siegburger Seidenberg bleibt vorerst, wie er ist. Die Bauer Holz GmbH hat sich von der Idee, ihr Firmengelände auf dem Areal zu erweitern, verabschiedet. Das teilte Bürgermeister Stefan Rosemann am Mittwoch mit. Das Unternehmen reagiere damit auf die im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangenen Stellungnahmen von Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und Institutionen. „Mir ist es nun wichtig, im Rahmen der Wirtschaftsförderung gemeinsam mit der Firma Bauer eine zukunftsfähige Lösung für den Betrieb in Siegburg zu finden“, sagte Rosemann.

Wie berichtet, wollte Holz Bauer sein aktuell nördlich und südlich der Zeithstraße gelegenes Betriebsgelände auf dem Seidenberg vereinen, das Unternehmen vergrößern und so langfristig den Standort Siegburg sichern. Dazu sollten dort neben einem Bürogebäude auch Hallen und Flächen zur Lagerung von Holzprodukten entstehen. In einen Teil der Hallen sollte die Fahrzeuginstandsetzung der Firma Kohr ziehen, die momentan an der Mahrstraße sitzt. Dazu müssten aber der Bebauungs- und Flächennutzungsplan des etwa 6,5 Hektar großen Waldstücks geändert werden, das aktuell als Mischgebiet, Grünfläche und Fläche für Forstwirtschaft ausgewiesen ist. SPD, Grüne, FDP und Linke hatten das dafür notwendige Verfahren angestoßen. Die CDU lehnte die Idee ab und enthielt sich daher bei der Abstimmung zum Verfahren.

Die Pläne stießen auf massive Kritik bei den Anwohnern rund um die Fläche. Der Wald sichere auch in heißen Sommern eine gute Frischluft-Qualität, mindere die Belastungen durch Fluglärm und die A3, biete Vögeln, Kleintieren und auch Rehen und Wildschweinen ein natürliches Rückzugsgebiet und sei Kindern einer der letzten natürlichen Abenteuerspielplätze. Daher setzten sie sich dafür ein, ihn zu erhalten, sammelten Unterschriften, starteten eine Online-Petition, gründeten eine Bürgerinitiative und warben um rege Teilnahme an der frühzeitigen Bürgerbeteiligung, die am 13. August endete.

65 Stellungnahmen hat die Stadt nach eigenen Angaben erhalten. Darunter auch die 1000 Unterschriften umfassende Liste der Bürgerinitiative sowie die Online-Petition mit insgesamt 1606 Unterschriften. In den Unterlagen zum Planungsausschuss, der am Montag, 20. September, tagt, hat die Verwaltung zudem die Stellungnahmen von diversen am Verfahren beteiligten Behörden veröffentlicht.

„Diese wurden gesichtet und gemeinsam mit dem Bauvorhabenträger besprochen“, sagt Stefan Rosemann. Mit Blick auf diese Stellungnahmen und weitere Aspekte habe die Geschäftsleitung der Firma Holz Bauer ihm gegenüber erklärt, dass sie ihr Ansinnen, das Firmengelände auf den Seidenberg zu verlegen, nicht weiterverfolgen werde und das Vorhaben aufgebe. Das Verfahren zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans habe gezeigt, dass es eine ergebnisoffene und mit Transparenz und Bürgerbeteiligung versehene Möglichkeit darstelle, sich sachlich mit einem solchen Thema auseinander zu setzen. „Ich wünsche mir, dass die Siegburgerinnen und Siegburger noch mehr als bisher diesem Instrument vertrauen und sich auch weiterhin aktiv daran beteiligen“, so Rosemann.

Bürgerinitiative ist erleichtert

Erleichtert zeigt sich die Bürgerinitiative über die Nachricht. „Wir freuen uns, dass nicht nur der Investor, sondern auch alle Entscheidungsträger dem Klimaschutz den Stellenwert einräumen, der ihm gebührt“, sagt Klaus Bartz-vom Feld als Sprecher der Initiative. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass das ein Thema sei, dass die Menschen bewege. „Wir behalten aber weiter im Auge, was nun mit der Fläche geschieht“, betont er.

Die Mehrheitskoalition aus SPD, Grünen und FDP hat am Mittwoch auf den „Stopp des Bebauungsplanverfahrens“ reagiert. „Da sind zuletzt viele Dinge zusammengekommen, die eine Bebauung nicht sinnvoll erscheinen lassen, aus Sicht der Stadt und der Umwelt, aber auch aus Sicht der Firmen“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Sauerzweig. Er dankt der Bürgerinitiative, die gezeigt habe, dass Klimaschutz für viele Siegburger einen hohen Stellenwert hat. Es sei aber richtig gewesen, das Bebauungsplanverfahren einzuleiten, betont der FDP-Fraktionsvorsitzende Matthias Horn. „Dabei war es für uns wichtig, die Interessen zweier alt eingesessener Siegburger Betriebe und ihrer Mitarbeiter zu berücksichtigen“, so Horn. „Für eine der beiden Firmen ist ein alternativer Standort in Aussicht“, berichtet Astrid Thiel, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Für die zweite biete sich eventuell das geplante Gewerbegebiet Zange II an.