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1. FC Köln: Baumgart will mit dem FC auch in München offensiv spielen

Kölns Plan gegen den FC Bayern : Baumgart will mit dem FC auch in München offensiv spielen

FC-Trainer Steffen Baumgart will von seiner offensiven Spielidee auch gegen die Bayern nicht abweichen. Sein Team solle mit den Gedanken zum FC Bayern fahren, dort gewinnen zu wollen.

Nun kann niemand behaupten, Steffen Baumgart habe keine Erfahrung mit Siegen gegen vermeintlich übermächtige Gegner. Als Spieler gelangen ihm in einer Saison sogar mal zwei Siege, die niemand für möglich gehalten hätte. Mit Hansa Rostock bezwang der frühere Stürmer den FC Bayern München kurz nach der Jahrtausendwende sowohl im heimischen Ostseestadion (3:2) als auch im Münchner Olympiastadion (1:0) – ja, das ist schon eine Weile her. Der Trainer, der diesen Doppelcoup damals ermöglichte: Friedhelm Funkel. Jener Funkel, dessen Amt als Trainer des 1. FC Köln Baumgart im Sommer übernahm.

Seinen Bundesliga-Einstand hat der gebürtige Rostocker mit den Kölnern jedenfalls schon einmal mit einem Erfolg gegen Hertha BSC gefeiert. Und es entspricht ganz der Gangart Baumgarts, dass er schnurstracks den nächsten Erfolg anpeilt, selbst wenn als Gegner wie am Sonntag (17.30 Uhr/Dazn) der hiesige Branchenführer wartet. Gegen die Bayern, behaupten viele, gebe es ja ohnehin nichts zu verlieren. Baumgart begleitet da eine andere Einschätzung der Aufgabe, er höre immer nur, „dass wir nur gewinnen können“. Aber nein, er finde diesen Satz schwierig, denn „wir können auch verlieren“.

Seine Erfahrung in den Duellen mit den Münchnern hat ihn das gelehrt. Denn als Trainer hat er ja bislang auch alle Spiele gegen sie verloren. Für ihn bedeutet die Partie auch eine Lerneinheit, deren Effekt es künftig zu nutzen gilt. Er betrachtet die Aufgabe gegen den Meister „als ein Spiel auf unserem Weg. Wir wollen uns weiterentwickeln“. Aber klar, das Ergebnis könne auch „böse ausfallen. Aber auch daraus können wir dann lernen“.

Mit dem SC Paderborn verlor Baumgart zweimal 2:3 gegen den FC Bayern

Gelernt hat er persönlich wahrscheinlich am besten aus seinen bislang drei Aufeinandertreffen mit den Bayern. Die Ergebnisse spiegeln dann auch Baumgarts Spielidee wider. Mit dem SC Paderborn stand er den Münchnern zwei Mal in der Bundesliga gegenüber, in beiden Spielen fielen viele Tore, beide gingen 2:3 verloren. Seine Intention beinhaltet immer ein gewisses Spektakel, und die Behauptung, seine Mannschaft würde nicht viele Spiele beenden, ohne ein eigenes Tor erzielt zu haben, ist ebenso zulässig wie die Einschätzung, die Kölner werden nicht viele Spiele ohne Gegentor bleiben.

Und so tritt er die Abenteuerreise in den Süden nicht an, ohne die Spieler darauf einzuschwören, das vermeintlich Unmögliche möglich machen zu können. „Ich will“, sagt er, „dass die Jungs mit dem Gedankengang nach München fahren, dass wir dort gewinnen wollen.“

Den Spielstil seines Teams will er dabei nicht dem Gegner anpassen, nein, vielmehr haben sich die Kontrahenten auf den bedingungslosen Vorwärtsdrang des FC einzurichten. Das hohe Anlaufen des Gegners hatte schon gegen Berlin nach einer Eingewöhnungsphase Erfolg nach sich gezogen. Der vielbeschworene Mut zum Risiko – bei Baumgart wird er mit Inhalt gefüllt. Seinen Spielstil werde er nicht verändern, „nur weil vielleicht David gegen Goliath spielt“, sagt der Trainer.

Dass eine solche Herangehensweise dann auch mal ein verheerendes Resultat begünstigt, kalkuliert Baumgart ein. Er hat das ja auch schon mal alles erlebt, selbst gegen die Bayern. Null zu sechs verlor er mal mit dem SCP im DFB-Pokal gegen München, blieb seiner Linie dennoch treu. Und die wird auch diesmal in der Arena in Fröttmaning zu sehen sein, unter allen Umständen. Sein Credo: Kopf hoch, Brust raus und nach vorn! Gleichwohl: „Dass es schwer wird, ist keine Frage.“

Baumgart attestiert jedem Münchner Spieler "Weltklasse"

Dem Lehrmeister, von dem es zu lernen gilt, will er jedoch nicht furchterfüllt wie ein i-Dötzchen vor der Einschulung entgegentreten. Große Entschlossenheit und prägender Gemeinschaftssinn sollen die höhere spielerische Qualität des Kontrahenten, bei dem Baumgart jedem Spieler „Weltklasse“ attestiert, ausgleichen. „Wir brauchen nicht über die Qualität der Bayern reden“, sagt Baumgart. „Sie sind hungrig und wollen immer, das hat man jetzt auch gegen Dortmund gesehen.“

Bestimmte Spieler der Bayern in Einzelhaft zu nehmen, das erübrigt sich für den Coach. Es werde nicht gelingen, „Robert Lewandowski auszuschalten. Sie schaffen es immer, ihn in Szene zu setzen. Aber darum geht es auch nicht. Wir müssen als Mannschaft agieren. Es geht vielmehr um unser Spiel, wir müssen die Situationen nutzen, die sie uns anbieten werden.“

Kingsley Ehizibue wohl in der Startelf

Im Spiel seiner Mannschaft dürfte Kingsley Ehizibue nach seiner Einwechslung gegen die Hertha nun wieder zur Startelf gehören. Gut möglich, dass er auf der rechten Abwehrseite als schneller Spieler gegen den nicht weniger schnellen Alphonso Davies ins Duell geht. Auch, weil so der Druck auf den jungen Münchner größer würde. Benno Schmitz könnte dafür auf die linke Seite wechseln, was eine Planstelle im Mittelfeld für Jonas Hector bedeutete.

Baumgart kann es jedenfalls kaum erwarten, die Münchner am Sonntag zu fordern. Er sagt: „Wir haben gutes Wetter zum Fußball spielen, das kann ein geiler Kick werden. Ich freue mich auf solche Spiele und darauf, sich mit solchen Gegnern zu messen.“