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Taktikanalyse : Deswegen hat der 1. FC Köln gegen Hertha gewonnen

Taktikanalyse : Deswegen hat der 1. FC Köln gegen Hertha gewonnen

Die offensive Ausrichtung war für den 1. FC Köln nur ein Schlüssel zum Erfolg. FC-Trainer Steffen Baumgart wählte noch andere taktische Maßnahmen – mit Erfolg.

Die Bilanz ist beeindruckend: Acht Spiele hat Steffen Baumgart als Trainer des 1. FC Köln bestritten, verloren hat er keins. Klingt gut, die Bilanz ist aber trügerisch. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass der FC sieben dieser acht Spiele gegen unterklassige Mannschaften mehr oder minder erfolgreich bestritten hat. Mit Ausnahme des FC Bayern, der aber beim Nagelsmann-Debüt in Villingen im Rahmen des Kölner Trainingslagers mit einer B- bis C-Elf angetreten ist. Gerade der knappe Erfolg im Pokal über Jena ließ bereits Schlimmes erahnen. Doch Baumgart hat seine Kritiker eines Besseren belehrt. Gegen Hertha BSC fuhr der 1. FC Köln am Sonntag einen verdienten Sieg ein. Und das auch aufgrund der taktischen Vorgabe des Kölner Trainers.

Zum Bundesliga-Auftakt war bereits früh das neue Spielsystem der Kölner sichtbar. Baumgart ist ein Freund des Offensiv-Fußballs, das wird er nicht müde zu betonen. Zu seinen markigen Sprüchen und Erklärungen gehören aber auch simple Vorgaben. Vorgaben, die jedes Kind kennt: Tore schießen ist deutlich angenehmer als Tore zu kassieren. Ein 3:3 habe er lieber als ein 0:0 und überhaupt, wer braucht schon Taktiktafel und falsche Neun, wenn es doch eigentlich um nichts anderes als ein Spiel gehe.

Natürlich ist diese Marschroute allein nicht ausschlaggebend für den Erfolg. Doch mit ähnlich simplen Vorgaben erreicht Baumgart nicht nur den Geschmack der Fans, offensichtlich entwickelt er mit den Worten eine ungeahnte Leidenschaft bei seinem Team. Taktisch lief das Kölner Team – wie von Baumgart propagiert – Berlin früh an, gab von Beginn an keinen Ball verloren und setzte den Gegner unter Druck. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Kölner ihrerseits früh von der Hertha unter Druck gesetzt worden sind und damit in der Anfangsphase ihre Probleme hatten. Vor allem Timo Hübers wusste sich oft nur mit einem langen Ball zu helfen, der nur selten einen Kölner Abnehmer fand. Auch Rafael Czichos war zu Beginn nicht immer bei der Sache. Der Rückstand nicht unverdient und er hätte durchaus noch höher ausfallen können. Vermutlich wäre der FC dann nicht mehr zurückgekommen.

Steffen Baumgart mit taktischem Kniff

Ist er aber. Auch, weil Baumgarts Taktik-Kniff aufging. Der 49-Jährige beorderte Dejan Ljubicic auf die ungewohnte Zehner-Position. Der eigentliche Sechser sollte so ebenfalls früh anlaufen – vor allem mit Tempo. Das tat der Österreicher und brachte es in der Gesamtabrechnung auf mehr Kilometer als Dauerläufer Ellyes Skhiri. Mark Uth, nomineller Zehner, rutschte neben Anthony Modeste in den Sturm. Die beiden Angreifer wurden so entlastet und erhielten Freiräume. Modeste verharrte auch nicht im Sturmzentrum. Immer wieder zog es den Franzosen auf die Außenpositionen, sowie bei seiner Flanke zum 2:1.

Eine besondere Aufgabe nahm Jan Thielmann ein. Gegen Jena stand der Youngster noch im Angriffszentrum, nun gegen die Hertha erhielt Thiemann ebenfalls positionelle Freiräume, die er auch nutzte. Thielmann, spielte hinter den Spitzen, sogar hinter Ljubicic und war neben Doppeltorschütze Florian Kainz und dem wiedererstarkten Modeste einer der Leistungsträger. „Wenn ich seine Laufwerte, seine Tiefenläufe sehe, wenn ich sehe, dass er eine komplette Halbzeit mit kaputter Schulter gespielt hat, dann muss man ihn auch hervorheben“, sagte der Trainer. Auch die Maßnahme, Jonas Hector auf die linke Abwehrseite zu ziehen, erwies sich als kluger Schachzug. Der Kölner Kapitän erwischte zwar nicht seinen besten Tag, verlieh der Abwehr aber mehr Stabilität und suchte zudem den Weg in die Offensive. Bei dem aktuellen Übergewicht im zentralen Mittelfeld könnte Hector eine längerfristige Lösung auf der Abwehrseite werden.

Auch gegen die Bayern (Sonntag, 17.30 Uhr, Dazn) wird Baumgart eine ähnlich offensive Variante wählen. „Der Gegner heißt Bayern und wir wollen drei Punkte holen. Schwer ist es gegen jeden anderen Gegner auch. Wenn wir da nicht hinfahren, um Punkte zu holen, dann können wir auch gleich hierbleiben“, so Baumgart, der den Erfolg über Hertha aber richtig einsortiert: „Ein Auftaktsieg macht Spaß und macht vieles leichter. Das ändert aber nichts daran, dass wir noch viel arbeiten müssen.“