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1. FC Köln in Vorreiterrolle: Bundesliga-Clubs bei Fan-Frage uneins

1. FC Köln in Vorreiterrolle : Clubs sind sich bei Zulassung von Getesteten zu Spielen uneinig

Bei der Frage, ob künftig auch getestete Fans ins Stadion dürfen, vertreten die Bundesliga-Vereine unterschiedliche Ansichten. Der 1. FC Köln hat sich klar positioniert und musste nach seiner Entscheidung Austritte von Mitgliedern hinnehmen.

Ende Mai war der 1. FC Köln der letzte Club, der sich die Zugehörigkeit zur Fußball-Bundesliga sicherte – gut zwei Monate nach den nervenaufreibenden Relegationsspielen gegen Kiel waren die Rheinländer dafür ganz vorneweg. In der Debatte darüber, wem Stadionbesuche künftig gestattet sind und wem nicht, bezogen die Geißböcke vor dem Ligastart an diesem Freitag als Erste klar Position. So wird bei den Heimspielen der Kölner ab dem 28. August, wenn Aufsteiger Bochum zu Gast ist, nur noch Geimpften und Genesenen der Zugang gestattet.

Bei der ersten Heimpartie an diesem Sonntag gegen Hertha BSC praktiziert der Verein noch eine etwas weichere Variante: Von den 16 500 Zuschauern, die dann nach aktuellem Stand zugelassen sind, werden 15 500 von einer Corona-Erkrankung genesen oder gegen das Virus geimpft sein. Die restlichen 1000 Karten können – zum vorerst letzten Mal in Köln – Kinder und Jugendliche ergattern, die einen negativen Test vorweisen.

Die Reaktionen auf die Entscheidung des FC fielen in der emotional geführten Debatte sehr unterschiedlich aus. „Der Zutritt in die Stadien sollte auch für Getestete weiterhin möglich sein. Wir halten nichts davon, aus 3G schleichend ein 2G zu machen“, betonte etwa Jan Mayer, Geschäftsführer der TSG-Hoffenheim, gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“. Denn, so der 49-Jährige weiter: „Das wäre eine Impfpflicht durch die Hintertür. Wir sollten uns hier nicht für politische Zwecke instrumentalisieren lassen.“

FC-Geschäftsführer Wehrle: Überwiegend positive Reaktionen

Dem FC flatterten nach seiner Ankündigung prompt einige Kündigungen von Mitgliedern ins Haus. „Wir waren uns bewusst, dass wir dafür auch Gegenwind bekommen werden“, erklärte Geschäftsführer Alexander Wehrle, berichtete aber zugleich von „in der überwiegenden Mehrheit positiven Reaktionen“. Positiv war bereits am Mittwoch vergangener Woche eine Aktion des Bundesligisten aufgenommen worden: Am Geißbockheim hatte der Verein eine Station aufgebaut, an der sich Menschen, die gerade im Grüngürtel unterwegs waren, nachmittags in einem Zeitraum von zweieinhalb Stunden ohne Voranmeldung impfen lassen konnten. 87 Kölner nahmen das Angebot wahr.

Bei dem ab Ende August geplanten Ausschluss von Nicht-Geimpften und Nicht-Genesenen bei Heimspielen des FC sollen auf Grundlage der Corona-Schutzverordnung Ausnahmen gelten – für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren und für Personen, die aus medizinischen Gründen von der Impfung ausgeschlossen sind. Ganz prinzipiell wünscht BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in dieser Thematik aber klare Aussagen von der Politik – und forderte vor der Bund-Länder-Schalte am Dienstag: „Jetzt ist die Zeit gekommen, mutige Entscheidungen zu treffen – wo man nicht mehr alles nur damit lösen kann, dass man den Laden abschließt.“

Watzke spricht sich zwar gegen eine Impfpflicht aus, unterstützt aber die vom Liga-Konkurrenten aus Köln angepeilte 2G-Regelung beim Stadionpublikum. Ebenso pocht er auf das Recht der Veranstalter von Großereignissen, zu denen der Fußball zählt, nur Geimpften und Genesenen Zutritt in ihre Arenen zu gewähren.

SC Freiburg will Freikarten an Impfaktion-Teilnehmer ausgeben

Es ist eine komplizierte Gemengelage, in der die Haltungen, Maßnahmen und Überlegungen der Bundesligisten aktuell einem Flickenteppich gleichen. So teilte der SC Freiburg am Dienstag mit, insgesamt 1100 Freikarten für ein ausgewähltes Bundesligaheimspiel an Personen zu verteilen, die sich von Freitag bis Sonntag erstmals gegen Covid-19 impfen lassen. Im Schwarzwald gibt es also zur Belohnung „SC-Impftickets“.

FC-Mann Alexander Wehrle betont, Impfen sei „aus unserer Sicht der entscheidende Faktor auf dem Weg zurück zu einer veränderten Normalität“. Andererseits gab die höchste deutsche Spielklasse bei einer Umfrage der Sportschau unter elf teilnehmenden Vereinen zuletzt ein uneinheitliches Bild ab: Clubs wie Leverkusen oder Leipzig wollten sich nicht festlegen. Wolfsburg, Mainz und Gladbach sprachen sich sogar klar gegen einen Ausschluss lediglich Getesteter aus – zumindest solange die Corona-Schutzverordnung ihnen keine andere Wahl lasse.