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Boge in Bad Godesberg: Schließt der Automobilzulieferer bald sein Werk? Was passiert mit den Mitarbeitern?

Werk in Bad Godesberg : Boge-Mitarbeiter verzichteten auf Teile des Gehalts, um Standort zu retten

Das Unternehmen Boge Rubber & Plastics schließt offenbar seinen Standort in Bad Godesberg. Ein genauer Zeitpunkt steht laut Angaben aus Kreisen der Belegschaft noch nicht fest. Das Unternehmen hat die Schließung weder bestätigt noch dementiert.

Der Automobilzulieferer Boge Rubber & Plastics schließt offenbar seinen Standort in Bad Godesberg. Wie es aus Kreisen der Belegschaft heißt, haben die Angestellten am Freitag von der Schließung erfahren. Demnach stehen verschiedene Schlichtungsszenarien im Raum: „Wir haben momentan noch einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis zum 31.7.2024. Szenario eins wäre, nach diesem Zeitpunkt zu schließen“, so ein Beschäftigter. Die andere Option sei es, bereits vorher zu schließen – dabei sei der genaue Zeitpunkt variabel.

„Die Verhandlungen werden in den nächsten Wochen anfangen, wenn der Geschäftsführer aus China zurück ist“, heißt es aus Mitarbeiterkreisen auf Anfrage des GA. Boge gehört seit 2014 zum chinesischen Unternehmen Zhuzhou Times New Material Technology Corporation (TMT), die Zentrale liegt im niedersächsischen Damme. In Bonn ist mit 243 Beschäftigten eines der beiden Hauptentwicklungszentren der ­­Unternehmensgruppe ange­siedelt.

„Wir sind maßlos enttäuscht“, heißt es aus der Belegschaft. Zu den Gründen für die Schließung konnten die Mitarbeitenden nichts sagen. Die Belegschaft habe damit nicht gerechnet. Wie es mit den 243 Beschäftigten weitergeht, sei Verhandlungsthema.

Boge hat weder bestätigt noch dementiert

Boge selbst hat die Schließung des Werks weder bestätigt noch dementiert: Das Unternehmen teilte auf Nachfrage des GA mit, dass der Tarifvertrag zur Zukunfts- und Beschäftigungssicherung (ZKSTV) an den deutschen Standorten der BOGE Elastmetall GmbH seit dem 1. August 2019 bestehe und bis einschließlich 31. Juli 2024 laufe. „Um die Wettbewerbsfähigkeit der BOGE Elastmetall GmbH langfristig zu sichern und die Transformation der Automobilindustrie erfolgreich mitgestalten zu können, wurde der ZKSTV vorzeitig geöffnet“, so das Unternehmen in einem Statement. Derzeit würden Verhandlungen mit der IG Metall laufen mit dem Ziel, bis Ende Oktober einen neuen „Tarifvertrag zur Zukunfts- und Beschäftigungssicherung“ abzuschließen.

Beschäftigte verzichteten auf Teile des Gehalts

Besonders bitter für die Angestellten: Seit 2019 verzichteten sie auf Teile ihres Gehalts. Um Kosten zu sparen wollte die Geschäftsleitung damals aus Teilen des Tarifvertrags aussteigen. Mitarbeiter berichten davon, dass sie „über Jahre“ auf Gehaltsbestandsteile verzichteten, unter anderem auf Teile des Urlaubsgeldes, um den Standort zu sichern. „Es gab auch Kürzungen des monatlichen Gehalts und Sonderzahlungen wurden gestrichen.“ Als Begründung habe die Geschäftsleitung den Angestellten damals mitgeteilt, dass der Standort nur so weiterhin bestehen bleiben könne. Der damalige Boge-Geschäftsführer Torsten Bremer verwies zudem auf hohe Investitionen. Auf der aktuellen Kostenbasis, so Bremer 2018 gegenüber dem GA, falle es im internationalen Wettbewerb zunehmend schwerer, Aufträge zu erhalten.

Das Corona-Jahr 2020 schloss der Automobilzulieferer mit einem Umsatzminus von 15,6 Prozent ab. Die rund 4000 Mitarbeiter weltweit erwirtschafteten einen Umsatz von 670,9 Millionen Euro. Im schwierigen konjunkturellen Umfeld mit Lockdowns und Lieferengpässen habe sich das Geschäft damit leicht oberhalb des Branchentrends entwickelt, teilte das Unternehmen damals mit.

Für 2021 waren Investitionen von rund 28 Millionen Euro geplant, im Wesentlichen sollen sie in Deutschland, der Slowakei und China stattfinden. 2016 hatte sich das Unternehmens noch zu dem Werk in Bonn bekannt: Der Bonner Raum sei ein „superguter Standort“.