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Kooperation mit Bonn: Gewerbepark Wolbersacker in Rheinbach verzeichnet hohe Nachfrage

Kooperation mit Bonn : Gewerbepark Wolbersacker in Rheinbach verzeichnet hohe Nachfrage

Elf Hektar des Geländes an der Autobahn 61 füllt die Stadt Rheinbach in Kooperation mit der Stadt Bonn. Das Areal war viele Jahre für Haribo reserviert. Nun ist die Nachfrage aus anderen Branchen groß.

Kaum Stillstand verzeichnet die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft der Stadt Rheinbach (WFEG) bei der Nachfrage nach freien Gewerbeflächen. Das Areal an der Autobahn 61, das die Kommune viele Jahre lang für die Ansiedlung von Haribo reserviert hatte, sind auch nach der Entscheidung des Bonner Süßwaren-Konzerns für die Grafschaft heiß begehrt.

„Trotz Corona schreitet die Vermarktung der Gewerbeflächen auf dem Wolbersacker gut voran“, berichtete Raffael Knauber, Beigeordneter der Stadt und WFEG-Geschäftsführer, im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Konkret wollen sich in den nächsten Monaten zwölf Unternehmen auf dem sogenannten Wolbersacker zwischen A 61 und der Bundesstraße 266 ansiedeln. Darunter seien laut Knauber „viele Biotechnologie-orientierte und nachhaltig agierende Unternehmen“. Mit elf weiteren Firmen stehe die WFEG vor einem Vertragsabschluss, weiß Wirtschaftsförderer Hans Eberhard Dorow.

An neuen Anfragen für Flächen herrsche kein Mangel. Die Unternehmen müssen allerdings ins nachhaltige Profil des Bio Innovation Parks Rheinland passen. Dieser Park wächst seit fünf Jahren in Meckenheim und Rheinbach als Kompetenzzentrum für grüne Technologien. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht“, sagte Dorow. Insgesamt etwa 50 Hektar ist der Wolbersacker groß – ein Filetstück, denn neue Gewerbeflächen sind rar gesät in der Region. Seit Sommer vergangenen Jahres ist das Distributionszentrum von DHL Supply Chain, Tochter der Deutschen Post DHL Group, auf dem Wolbersacker zu Hause. Auf 32.000 Quadratmetern Nutzfläche lagern 20.000 verschiedene Artikel, die auf 33 Laderampen versendet werden können.

Sollten sich die Flächen für Teil I gefüllt haben, soll in einem zweiten Abschnitt in Richtung Süden ein circa sieben Hektar großes Areal erschlossen werden. Ein Projekt mit Strahlkraft über die Region hinaus verspricht Teil III des Wolbersackers zu werden. „Das sind elf Hektar, die wir zusammen mit der Stadt Bonn entwickeln“, erklärte Dorow. Hintergrund: Weil es auf Bonner Stadtgebiet keine größeren freien Gewerbeflächen gibt, kooperieren die Bundesstadt und der Rhein-Sieg-Kreis seit etwa zwei Jahren, um gemeinsam Lösungen für Neuansiedlungen und Unternehmenserweiterungen zu finden. Mit Teil III des Wolbersackers in Rheinbach sowie in Bornheim sind der Kreis und Bonn fündig geworden.

Bis allerdings die ersten Bagger auf dem Areal zwischen Autobahnanschlussstelle und Wormersdorfer Kreisel anrücken, müssen laut Knauber Details der Zusammenarbeit geklärt werden. Unter anderem müsse vertraglich geregelt werden, wie Rheinbach und Bonn die jeweiligen Einnahmen und Ausgaben für den gemeinsamen Gewerbepark auf Rheinbacher Gebiet aufteilen. „Wir haben alle verstanden, dass wir als Region zusammenarbeiten müssen. Ein Kirchturmdenken wäre hier fehl am Platze“, sagte er. Und: „Wir könnten die Flächen sehr schnell veräußern, tun dies aber mit Bedacht.“

Dorow und Knauber hoffen, dass Flächenangebote solcher Art dabei helfen, eine höhere Gründerquote in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis implementieren zu können. „Was Gründungen angeht, sehen wir im Gebiet der hiesigen Industrie- und Handelskammer noch Luft nach oben “, sagte Knauber. Ein Beispiel für gelebten Gründergeist sei das Gründer- und Technologiezentrum (GTZ) in Rheinbach, wo auch die WFEG ihren Sitz hat. Dort sind auch neue Mieter wie LegenDairy Foods GmbH, eine Neugründung für vegane Lebensmittel, oder das Unternehmen Biotensidon, das mit lebenden Organismen biotechnologische Methoden für industrielle Produktionsverfahren entwickelt, eingezogen. „Diese Unternehmen zeigen, wo wir mit dem Bio Innovation Park hinwollen.“ Es sei gar nicht nötig, den Unternehmen mitzuteilen, was die Stadt in Sachen Nachhaltigkeit erwarte. „Das machen die schon von ganz alleine, um zukunftsfähig zu sein – und als Imagefaktor“, weiß Knauber.

Im GTZ wird nicht nur in Büros gegrübelt, sondern auch in Labors geforscht und produziert. Um Gründern einen Start ohne übermächtiges Risiko zu verschaffen, hält die WFEG auch Räume von überschaubarer Größe und mit überschaubaren Mietzeiträumen frei – sogenannter Co-Working-Space.

Nachfrage nach Flächen ist ungebrochen

36 Firmen passen aktuell ins GTZ. Nur ein Unternehmen habe während der Corona-Beschränkungen um einen Mietnachlass gebeten. Und auch einen Rückgang bei der Nachfrage nach Räumlichkeiten gab es laut Knauber nicht. Rasch möchte man allerdings per Umfrage klären, wie sich Corona perspektivisch auf die Firmen im GTZ auswirkt. Für die gesamte Stadt rechnet die Kämmerei für 2020 mit rund 7,9 Millionen weniger an Gewerbesteuern als für das laufende Jahr prognostiziert. Kämmerer Walter Kohlosser hatte – wie schon 2018 und 2019 – mit Gewerbesteuern von rund 20 Millionen Euro gerechnet. Welche wirtschaftlich Entwicklung Rheinbach genommen hat, zeigt ein Blick zurück: 2003 betrugen die Einnahmen an Gewerbesteuern nur vier Millionen Euro.