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Wolfsjunges tot aufgefunden: Vermutlich aus Eitorfer Rudel

In Rettersen entdeckt : Totes Wolfsjunges stammt vermutlich aus Eitorfer Rudel

Seit dem Sommer ist der östliche Rhein-Sieg-Kreis offiziell Wolfsgebiet. Jetzt könnte ein Junges aus der bei Eitorf nachgewiesenen Familie bei einem Verkehrsunfall gestorben sein.

Die genetischen Untersuchungen stehen zwar noch aus, doch Experten haben ein Jungtier, das in der vergangenen Woche an der Bundesstraße 8 im rheinland-pfälzischen Rettersen gefunden wurde, als männliches Wolfsjunges identifiziert. „Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um einen jungen Welpen aus dem Rudel in Leuscheid handelt“, sagte Paul Berweiler, Wolfsbeauftragter des Landesforst Rheinland-Pfalz, auf GA-Anfrage.

Wie berichtet, hatten das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf im Juli den ersten Nachweis einer Wolfsfamilie in Nordrhein-Westfalen gemeldet. In Eitorf war die Familie auf Bildmaterial gesichtet worden. Ihr Territorium liegt im Grenzgebiet von NRW und Rheinland-Pfalz. In der Folge waren Teile des östlichen Rhein-Sieg-Kreises zum Wolfsgebiet erklärt worden. Es umfasst alle rechtsrheinischen Kommunen außer Troisdorf, Niederkassel, Sankt Augustin, Königswinter und Bad Honnef. Diese gehören indes weiterhin zur so genannten Pufferzone um das Wolfsgebiet.

Hohe Sterblichkeit bei Jungwölfen

„Die Sterblichkeit bei Jungwölfen ist sehr hoch“, sagt Paul Bergweiler. Vor allem der Straßenverkehr sei eine große Gefahr. Allerdings sichere der Tod des Welpen gewissermaßen auch das Überleben seiner Geschwister. „Wenn es ein Elterntier getroffen hätte, hätten die jungen Wölfe kaum eine Überlebenschance“, so Bergweiler. Offiziell sind beim so genannten Leuscheider Rudel nur zwei Welpen auf Fotos identifiziert und damit wissenschaftlich bestätigt. „Es sind aber mehr junge Tiere gesehen worden“, sagt Bergweiler. Bei einer Wolfsfamilie wären auch mehr als zwei Junge normal.

Wie der in Rettersen gefundene Jungwolf gestorben ist, sollen nun die weiteren Untersuchungen ergeben. Wie das rheinlandpfälzische Umweltministerium mitteilte, wird der Kadaver dafür im Leibniz-Institut für Zoo- Wildtierforschung in Berlin obduziert. So könne die Todesursache ermittelt und andere Verletzungen oder Krankheiten, die nicht von einem Verkehrsunfall herrühren, ausgeschlossen werden. Zudem untersuche das Senckenberg-Institut in Gelnhausen derzeit Gewebe-, Haar- und/oder Speichelproben genetisch. So könne festgestellt werden, ob der Welpe zum Leuscheider Rudel gehört, das sich an der Grenze von Rheinland-Pfalz zu Nordrhein-Westfalen zwischen Altenkirchen und Sieg aufhält.

Sollten die Untersuchungen bestätigen, dass der Wolfsjunge bei einem Verkehrsunfall starb, wäre das laut Landesumweltministerium nicht der erste Wolf, der auf der B8 von einem Auto erfasst wurde. Im Dezember 2019 sei die Wölfin GW1415f ebenfalls in der Nähe von Rettersen in einen Autounfall verwickelt gewesen, habe diesen aber – vermutlich verletzt – überlebt und im Frühjahr vermutlich sogar Junge zur Welt gebracht, die im Rhein-Sieg-Kreis gefilmt wurden. Das Umweltministerium bittet darum, vor allem nachts und bei Dämmerung umsichtig zu fahren, um Mensch und Wolf vor den Folgen eines Verkehrsunfalls zu bewahren.

Das Leuscheider Rudel ist sowohl in Rheinland-Pfalz als auch in NRW derzeit das einzige Wolfsrudel. Eine bereits im August 2019 mit fünf Jungen bei Neuwied fotografierte Familie hat sich, so das Umweltministerium, offensichtlich im vergangenen Winter aufgelöst. Von der Wolfsmutter fehle jede Spur, eine Tochter sei in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen, eine andere mittels Kotfund in der Nähe von Neuwied. Beide Rudel, sowohl das letztjährige Neuwieder als auch das aktuelle Leuscheider, haben sehr wahrscheinlich denselben Vater, den Rüden GW1159m.