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1. FC Köln: Steffen Baumgart wird neuer Trainer - Porträt

Nachfolger von Friedhelm Funkel : „Emotionaler Leader“ – Steffen Baumgart wird neuer Trainer des 1. FC Köln

Es war spekuliert worden, nun ist es amtlich: Steffen Baumgart wird neuer Trainer des 1. FC Köln. Der Coach arbeitet und liebt Fußball – und könnte für den FC die richtige Wahl sein. Ein Porträt.

Die Saison 2019/2020 war noch keine zwei Spieltage alt, da hatte Steffen Baumgart schon einen beeindruckenden Rekord aufgestellt. Einen für die Sportgeschichtsbücher, wenn auch eher eine statistische Randnotiz eben jener. Der Aufstiegstrainer des SC Paderborn sah als erster Coach der Bundesliga eine Gelbe Karte. „Ich äußere mich selten zu Schiedsrichtern, aber heute war es scheiße“, sagte Baumgart im Anschluss. „Wir wollen mit Emotionen da sein, und so werden die Emotionen weggenommen.“ Baumgart ist ein Freund der offenen Worte, auch wenn er damit aneckt.

Diese Emotionen wird Baumgart künftig beim 1. FC Köln ausleben. Der 49-Jährige hat einen Vertrag bis 2023 beim FC unterschrieben. „Es freut uns sehr, dass sich Steffen Baumgart für den 1. FC Köln entschieden hat. Er hat in den vergangenen Jahren herausragende Arbeit in Paderborn geleistet. Er hat bewiesen, dass er Spieler, egal welchen Alters, weiterentwickeln und besser machen kann“, sagt FC-Sportdirektor Horst Heldt. „Damit ist er der richtige Mann für den Weg, den wir in den nächsten Jahren gehen müssen. Dazu ist er ein emotionaler Leader, der sehr gut zum FC passt.“

Erst im April zeigte Baumgart diese Emotionen im ZDF-Sportstudio. Das Thema: der kritisierte Wechsel-Wunsch von Trainern wie Adi Hütter oder Marco Rose. „Es gibt Verträge und Klauseln. Und wenn einer die Klausel zieht und der andere darüber Bescheid weiß, dann gilt der Vertrag“, sagte Baumgart. In diese Situation ist der 49-Jährige beim SC Paderborn nicht gekommen. Baumgart hat früh angekündigt, den Vertrag nicht verlängern zu wollen, und sich damit ins Gespräch gebracht. Er ist begehrt als Trainer. Vor allem aufgrund des offensiven Tempofußballs, den er spielen lässt, egal ob erfolgreich oder nicht. Im Aufstiegsjahr wurde der Coach trotz Niederlagen für das anschauliche Spiel seines SCP gefeiert. Auch ihm ist die Spielweise oft wichtiger.

Diesen Offensivdrang hat der heutige Trainer schon als Aktiver offenbart. Baumgart spielt in der Jugend für die SG Dynamo Rostock und später für die SG Dynamo Schwerin. Diese ist der Polizei unterstellt, und Baumgart wird Bereitschaftspolizist. Er wechselt nach der Wiedervereinigung als 19-Jähriger zur SpVg Aurich und macht eine Lehre zum Kfz-Mechaniker. 1994 wechselt er in die 2. Liga zu Hansa Rostock. Er ist Mittelstürmer. Bis 1998 läuft er für den Proficlub seines Geburtsorts 118-mal auf und erzielt 26 Treffer. Baumgart ist umtriebig, wechselt nach Wolfsburg, zurück zu Hansa, spielt für Cottbus, Union Berlin und den 1. FC Magdeburg. Zuletzt kickt er in der Landesliga. Schon zu dieser Zeit ist Baumgart auch Trainer.

Neuer FC-Coach Steffen Baumgart ist ein Stehauf-Männchen

Seine Karriere ist nicht nur von Erfolgen geprägt. „Ich war arbeitslos, ich wurde als Fußballer irgendwann nicht mehr gewollt, bei meinem Heimatverein Hansa Rostock bin ich dreimal rausgeflogen. Die entscheidende Frage ist: Wie geht man mit solchen Erlebnissen um?“, sagte er der „Süddeutschen“. Auch beim DFB handelt er sich nach seiner Bewerbung für den Trainer-Lehrgang zunächst eine Absage ein. Baumgart lässt sich nicht unterkriegen und bewirbt sich wieder. Er sagt, er hätte sich auch ein drittes oder viertes Mal beworben. Sein Motto: „Weitermachen.“ Baumgart arbeitet sich als Trainer eines Bezirksligisten nach oben. Wird Co-Trainer bei Hansa Rostock, erster Coach beim 1. FC Magdeburg. Erst beim SC Paderborn gelingt ihm der Durchbruch.

Neuer Trainer des 1. FC Köln: Steffen Baumgart ist ein Freund des Offensivspiels

Eine Karriere mit Umwegen. Dabei ist Baumgart ein Freund des kürzesten Wegs. Dem zum Tor. „Das ist der beste", beschrieb Baumgart in der „Süddeutschen“ seine Marschroute: „Die Jungs wissen: Es geht immer geradeaus. Es geht immer um den Ball. Wir arbeiten so lange am Ball, bis wir ihn haben." Das Offensivspiel trifft dem Vernehmen nach beim FC nicht nur auf Befürworter. Dennoch sollen die Gremien laut „Express“ den Kölner Verantwortlichen grünes Licht für Baumgart gegeben haben.

Die Spielweise, aber auch seine Art und Weise haben ihn in Paderborn zum Sympathieträger gemacht. „Es ist immer wichtig, dass man selbst entscheiden kann“, sagte er im Sportstudio. Das tat er in Paderborn. „Nach mehr als vier Jahren in Paderborn war es für mich jetzt Zeit für eine Veränderung. Die Gespräche mit den Verantwortlichen des FC waren vertrauensvoll und offen. Ich freue mich auf meine neue Herausforderung in Köln, die ich gemeinsam mit dem gesamten Verein, der Mannschaft und allen Fans ab der nächsten Saison voller Energie angehen werde“, sagt Baumgart. Energie hat er jedenfalls.