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Kolumne von Reiner Calmund: "FC-Coach Baumgart hat Köln reanimiert"

Gastspiel mit Reiner Calmund : „FC-Trainer Baumgart hat die Kölner reanimiert“

In unserem „GA-stspiel“ werfen Prominente einen Blick auf das kommende Bundesliga-Spiel des 1. FC Köln. In der aktuellen Folge analysiert Reiner Calmund den FC.

Der 1. FC Köln hat in den ersten vier Spielen eines eindrucksvoll belegt, nämlich, wie viel im Spitzenfußball vom Kopf abhängt. Offensichtlich ist dies die große Stärke von Steffen Baumgart, der aktuell auf dem Weg ist, aus einem ganz heißen Abstiegskandidaten ein Team zu formen, dass Richtung Mittelfeld marschiert.

Die Spieler der Fast-Abstiegs-Saison begeistern heute. Stellvertretend nenne ich Anthony Modeste, der in der vergangenen Saison nach Frankreich ausgeliehen worden war und dem niemand in Köln eine Träne nachgeweint hätte, wenn er gewechselt wäre. Davon ist längst keine Rede mehr. Modeste macht wieder den „Brillenjubel“, drei Tore und ein Assist stehen auf seinem Konto.

„Der FC kann nur mit kleiner Tüte einkaufen“

Verantwortlich dafür ist der „Mann mit der Mütze“. Steffen Baumgart hat die Kölner mit seiner Art reanimiert. Die hat längst mehr zu bieten als nur den brüllenden Dauerläufer an der Seitenlinie. Baumgart – das belegen die Bilder von seinem innigen Verhältnis zu den Spielern – gibt Kraft und Selbstvertrauen, er verlangt dafür nicht mehr und nicht weniger als 100 Prozent Einsatzbereitschaft.

Baumgart hat nie gejammert, auch als absehbar war, dass der FC nur mit der ganz kleinen Tüte einkaufen kann. Dafür hat er etwas geschafft, was einen Trainer unbezahlbar macht: er hat jeden Spieler besser gemacht. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an Christoph Daum, der 1996 Bayer Leverkusen nach dem gerade entronnenen Abstieg mit einem billigen Kader in die Spitze der Bundesliga führte.

Beim Gegner sitzt übrigens mit Oliver Mintzlaff – ein in Bonn geborener und aktuell lebender Familienvater auf der Kommandobrücke. Er startet als "Head of Global Soccer", 2014 wurde er zum Vorstands-Vorsitzenden von RB Leipzig gewählt. Seine Erfolgs-Story liest sich wie ein Märchen. 2014 Aufstieg, in den ersten sieben Jahren Bundesliga, sechs Mal für die Champions- und ein Mal für die Euro-League qualifiziert.

„RB kann stolz auf die Transferpolitik sein“

RB kann auf seine Transfer-Politik stolz sein. Die teuersten Einkäufe waren Keita mit 30 Millionen Euro, Werner mit 22 und Upamecano mit 18 Millionen. Keita verkaufte man für 60 an Liverpool, Werner für 53 Millionen nach Chelsea. In dieser Saison muss RB die Abgänge von Julian Nagelsmann (20), Upamecano (42) und Sabitzer (15), alle nach Bayern München, kompensieren. Außerdem wechselte Konate für 40 Millionen nach Liverpool.

Der ewige neidische Hinweis auf RedBull ist völlig überzogen. Die Partner in der Champions-League können vorwiegend auf ein finanzstärkeres Sponsoring verweisen. Borussia Dortmund neben 1&1 auf Evonik, Iduna und Puma, der VfL Wolfsburg auf den größten europäischen Automobilhersteller VW. Das Maß aller Dinge ist Bayern München mit Adidas, Allianz, Audi, Telekom und Co., ganz dem Motto ohne Moos nix los.

Der Rheinländer, geboren in Brühl, war langjähriger Top-Manager beim Bundesligisten Bayer Leverkusen. Heute arbeitet der 72-Jährige in verschiedenen Rollen fürs Fernsehen – vor der Kamera – und als Vortragsredner.